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Ja, wo leben wir eigentlich?

Ja, wo leben wir eigentlich? Hier werden Fußballspieler wie Vieh durchs Land getrieben, in Boulevardzeitungen zerrissen, von «deutschen Fußballfans» verunglimpft. Und warum? Haben die Frauen vergewaltigt? Jemanden umgebracht? Kinderpornographie verbreitet oder hergestellt? Nein, sie haben sich für die Weltmeisterschaft in Russland qualifiziert und schieden bei dieser in der Vorrunde aus. Genauso wie 16 andere Mannschaften. Ja, wo leben wir eigentlich? Robert-Enke jährt sich nächstes Jahr zum zehnten Mal, vielleicht wird dann mal wieder für drei Tage darüber gesprochen. Über andere Fälle nicht. Egal, daraus lernen wird man auch nach dem x-ten Suizid nicht. Ja, wo leben wir eigentlich? Gewinnt man ein Spiel, wird man bestimmt auch Weltmeister. Verliert man, ist man der schlechteste Fußballspieler der Welt. Warum immer diese Extreme? Ja, wo leben wir eigentlich? Diese Frage stelle ich mir immer wieder, seit ich mich kaum noch traue, in Zeitungen zu schauen, weil dort Menschen, die ihr Hob...

Leseprobe zu "Alles gut."

Bevor sich alle in die Schlafsäcke betteten, bat der Lehrer darum, sich noch einmal im Zelt von Jule zu versammeln. «Wieso ausgerechnet in meinem?», fragte Jule verärgert. «Weil du das Schönste hast», konterte ihr Lehrer. Es folgte ein Vortrag zum großen Gebiet der Schorfheide, in der sich die Gruppe noch immer befand, und zu den hier beheimateten Tieren und Pflanzenarten. Herr Seifert redete und Linus legte seinen Kopf in den Schoss von Jule. Die warf ihrem Lehrer einen verwunderten Blick zu. Der zuckte lächelnd die Schultern und wendete sich wieder seinem Vortrag zu. Jule sah Friedemanns geschockten Blick und nahm diesen zum Anlass, zusätzlich ihre Hand auf Linus Kopf zu legen. Friedemann wirkte, als würde man ihm das Herz rausreißen. Jule sagte: «Du bist voll süß, wenn du nicht gerade einen fahren lässt.» Das nahm Linus nicht mehr wahr. Seine Augen waren bereits geschlossen. Sein Atem ging gleichmäßig. Doch Friedemann brach erst theatralisch in Tränen aus und dann gänzlich zusammen....

Cover ist fertig!

Das Cover zu "Alles G ut"

in gut vier Wochen ein neues Buch

Mitte Juni ist es soweit. Neues Buch! Zum ersten Mal ein Jugendbuch. Ein Buch über fiese Lehrer und komische Mitschüler. Ein Buch über Freundschaften, wo vorher Vorurteile wie Unkraut wucherten. Ein Buch über die Lehre, dass man alles erreichen kann, wenn man es denn möchte. Vor allem gemeinsam.

Was einmal ein Thriller werden sollte - 3.Teil - Vorbereitung zur Entführung

Ich genieße den Anblick. Der Regen, der bindfadenmäßig auf mich niederprasselt, lässt den Reiterhof wie das Schloss von Dracula wirken. Dieser Reiterhof wird nun sehr bald mein Schloss sein. Und das von Frau Fleischmann. So wünsche ich es mir. Aus den Sitzungen mit meiner Lieblingspatientin weiß ich, dass sie eine Pferdenärrin ist. Gemeinsam können wir hier etwas aufbauen. Vielleicht eine Pferdepension mit Therapiereiten…! Egal, für mich zählt nur, dass es ein Leben mit Frau Fleischmann gibt. Nur noch wenige Minuten bis 13.00 Uhr. Nur noch wenige Minuten bis zur Unterzeichnung des Kaufvertrages. Ich drehe mich um, öffne die Mitteltür meines VW-Busses und krame meine Gummistiefel hervor. Dann stapfe ich durch den vom Regen aufgeweichten Sandboden. Die Gummistiefel geben bei jedem Schritt laute, schmatzende Geräusche von sich. Dann erreiche ich die Stallungen.  Drinnen sehe ich kaum die eigene Hand vor Augen. Vor Kurzem standen hier noch Pferde. Heute stehe nur ich hier. Und wenn me...

Was einmal ein Thriller werden sollte - 2.Teil! oder Was vorher geschah!

Zweiter Teil  oder  Was vorher geschah «Sie müssen sich entscheiden!» Meine Augen können nicht von der zierlichen Frau ablassen. Der Zeigefinger ihrer linken Hand dreht sich in ihren langen, braunen Haaren ein. «Die Fortsetzung der Therapie macht nur Sinn, wenn sie sich von ihrem Mann trennen.» Sie lächelt verlegen. Ihre puderzuckerweißen Zähne schimmern mir entgegen. «Überlegen sie es sich bis nächste Woche.» Frau Schulz nickt stumm, während ich ihr mit meinem Blick ein Loch in ihren wunderschönen Kopf zu bohren drohe. Dabei möchte ich so gerne woanders hinschauen. Kann ich aber nicht.  Auf dem kleinen Glastisch neben mir ertaste ich ein Taschentuch. Auf meiner Glatze geben sich unzählige Schweißperlen ein munteres Stell dich ein. Mein Herz ähnelt einem Presslufthammer. Frau Schulz erhebt sich, zupft sich ihre Bluse zurecht und reicht mir ihre Hand. Kurz darauf wird die Praxistür von zarten Frauenhänden ins Schloss gezogen. Ich begebe mich ins Bad der kleinen Praxisw...

Das erste Kapitel eines Thrillers, der nie beendet wurde

«Hey!» Ich drehe mich um. Mit ausgestreckter Hand sehe ich jemanden auf mich zukommen. «Lassen sie es sein! Es bringt nichts!» Ich antworte mit einem zaghaften Kopfschütteln. Dann wieder die Stimme! «Kommen Sie! Setzen sie sich! Lassen sie uns reden!» Ich schaue nach unten! Sehe unzählige blaue Lichter tanzen. Mache einen kleinen Schritt nach vorne. Mein großer Zeh ragt über die Begrenzung hinaus. Irgendwo da unten bei den blauen Lichtern liegen meine Schuhe, die ich aus Verzweiflung hinunterwarf. «Kommen sie!» Ich schaue hinab. Ich spüre die Gestalt näher kommen. Und mit ihr die Angst. Möchte springen, doch der erste Schnee in diesem Jahr wirkt wie Kleber unter meinen Füssen. Zwischen der unbekannten Person und mir befindet sich nur noch ihr ausgestreckter Arm. «Setzen sie sich,» höre ich valiummäßig in meinem Ohr. Ich sacke kraftlos zu Boden. Die andere Person mit mir. Der Jackenärmel, der mich hält, ist sekundenspäter von meiner Tränenflüssigkeit durchnässt. Momente vergehen! Gedan...